Nubert NuVero 140 – Passivsuperlative aus Schwaben

Wenn man unsere Tests so ansieht, könnte man denken, dass der schwäbische Boxenbauer Nubert in erster Linie Aktivboxen baut. Dem ist aber mitnichten so. In einer langen Tradition werden seit Firmengründung Passivlautsprecher mit, laut eigenen Angaben, einem guten Preis-/Leistungsverhältnis entwickelt und direkt vertrieben.

Einleitung

25 Hz, 600 W Musikbelastbarkeit, 1,40 m Höhe, vier 180 mm Ultralongstroke Tieftöner und erhabene Eleganz in edlem Schwarz. Das ist der Stoff aus dem die Träume von Musikliebhabern sind, die stolz ihre Lautsprecher präsentieren wollen. Dazu noch ein, zumindest gemessen an den Daten, bezahlbarer Preis von 4500€. Quasi der Preisleistungssieger unter den Sportwagen. Das sind die Hauptmerkmale der NuVero 140, wie es im Detail aussieht, versuchen wir im folgenden Review zu klären.

Die NuVero 140

Die Speerspitze der Passivlautsprecher der Firma bildet dabei die NuVero Serie und ihr voran die NuVero 140. Einige werden sich sicher noch an die NuVero 14 erinnern, die bis zur Messe High End im Jahr 2015 diesen Titel innehatte. Aber das Bessere ist der Feind des Guten und so war es nur eine Frage der Zeit, bis die Entwicklungsingenieure Stellrädchen fanden, an denen sie den Vorgänger noch verbessern konnten. Das Ergebnis ist die NuVero 140, die in den Abmessungen gleich bleibt, aber klanglich zulegen soll. Wie der Lautsprecher mit einem Stückpreis von 2235€ sich in unserem Test schlägt, könnt ihr im Folgenden nachlesen.

Die Hochglanzfront und der matte Korpus bilden eine farbliche Einheit

Haptik und Optik

Die Optik der Nubert NuVero 140 ist zweigeteilt. Während das Klangsegel (das ist die Bezeichnung für die gebogene, leicht überstehende Schallwand der Lautsprechervorderseite) auf einen metallischen Hochglanzlack setzt, ist der eigentliche Korpus mit Nextel belackt. Das ist eine spezielle, matte Oberfläche die auch zur Haptik beiträgt. Die Boxen gibt es in den Ausführungen “Kristallweiß”, “Goldbraun” und “Diamantschwarz”. Vor Ort haben wir die schwarze Version. Alle Farben haben nun gemein, dass sie farblich “Ton in Ton” gehalten sind, auch wenn Korpus und Klangsegel unterschiedliche Lacke verwenden. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass das Kristallweiß ein strahlendes Weiß ist, wie man es sich nur wünschen kann. Genauso wie das Diamantschwarz nun ein tiefes und sattes Schwarz ist. Das ist deshalb erwähnenswert, weil die vorherigen Farbvarianten der NuVero Serie weder Ton in Ton noch gedeckte Farben waren, das Anthrazit ging ins gräuliche und das Cremeweiß in den namensgebenden Cremeton. Nun versucht der Boxenbauer eine neue mainstreamigere Lösung. Dass das kein Nachteil sein muss, zeigen unsere Bilder, auf denen die NuVero 140 einen ausgesprochen guten Eindruck macht.

Der metallische Look des Klangsegels kann überzeugen


 
Was die Haptik angeht, so ist das Klangsegel typisch glatt wie alle Hochglanzmetalliclacke. Damit geht auch eine große Anfälligkeit für Fingerabdrücke aller Art einher. Das Nextel ist gar noch deutlich anfälliger, was Berührungen angeht, hier bleiben hellere “Schmauchspuren” nach Berührungen zurück. ZurEntfernung ist Glasreiniger geeignet, worauf auch in der Bedienungsanleitung hingewiesen wird. Dabei hat gerade die Nexteloberfläche eine hervorragende Anfassqualität, die weniger wie ein Lack sondern eher wie ein Stoff oder Wildleder wirkt. Die Traversen sind aus massivem Edelstahl gefertigt, was sowohl optisch als auch haptisch die absolute Krönung darstellt. Durch die silberne Farbegbung ergibt sich ein Kontrast zum Korpus, der ein Blickfang ist. Auf der anderen Seite passt es aber sehr gut zum sehr technischen Auftritt der NuVero 140. Zu jeder Box liegt ein Metallgitter im jeweiligen Farbton bei. Zur Anbringung werden Stifte im Gitter verschraubt und anschließend in Hülsen des Klangsegels eingesetzt. Das Ergebnis ist bombensicherer Halt und ausreichender Schutz der Chassis durch Fremdeinwirkung. Ein Detail für die Pefektionisten: Da die Aufnahmehülsen gerade bei Kristallweiß oder Goldbraun sich von der Oberfläche des Klangsegels abheben gibt es optional die Abdeckkappen Nubert NuVero AK-10 im Webshop erhältlich. Für ein Paar der NuVero 140 sind hiervon 16 Stück notwendig, was vier solcher Sets entspricht.

Wer genau hinsieht, erkennt leichte Spuren von Fingerabdrücken auf vielen unserer Fotos, der Preis, den man für die beeindruckende Optik zahlen muss

Zubehör und Montage

Nach der Lieferung via Spedition (Bordsteinkante) und dem Hochtragen des Lautsprechers geht es an das Auspacken. Dabei wird schnell klar, wie gut die NuVero 140 gegen etwaige Transportschäden gesichert ist. Hier wurden sich offenbar viele Gedanken gemacht, wie man den Lautsprecher und insbesondere das empfindliche Klangsegel gut geschützt zum Kunden (oder in unserem Fall zum Tester) transportieren kann. Neben den bereits erwähnten, für sicheren Stand notwendigen, Edelstahltraversen und den Metallgittern inklusiver Befestigung liegt der Box das Handbuch, ein Imbus zum Befestigen der Traversen und zehn Meter 1,5 mm² Lautsprecherkabel aus Kupfer, bei. Dazu kommen noch pro Box zwei Bassreflexrohrstopfen um den Bass der Box zu bändigen und das Gehäuse zu verschließen. Besonders erwähnenswert ist noch das Paar Handschuhe, durch das man beim Aufbau und der Montage die oben erwähnten Fingerabdrücke ohne Mühe verhindern kann.
 

Die beiliegenden Handschuhe und das Firmenmaskottchen „Nubi“


Was die Montage angeht, möchten wir uns zunächst die Abmessungen und das Gewicht der NuVero 140 ansehen. Eine Box hat Maße von 142,5 cm (Höhe) x 23,4 cm (Breite inkl. Klangsegel) und 42,5 cm (Tiefe) bei einem Gewicht von 48 kg. Das sind ansehnliche Werte und gerade wenn man den Stückpreis von über 2200€ betrachtet, sollte man sich auf jeden Fall einen zweiten Helfer zum Zusammenbau dazuholen. Das sagt auch der beiliegende Quick Startguide. Mittels der Anleitung und Kartonageteilen, die anleitungsgemäß zum Aufstellen mitgenutzt werden, bekommt man in wenigen Minuten die NuVero 140 aufgebaut. Wenn man dann noch die Verkabelung an den hochwertigen Terminals durchgeführt hat, steht dem Musikhören nichts mehr im Wege. Prinzipiell ist damit die NuVero einfach zu handhaben, in Anbetracht der Größe.

Das Kabelterminal mit Klangwahlschaltern

Handbuch

Der NuVero 140 liegt ein Handbuch bei. Das fällt mit sieben Seiten (Garantiehinweise bereits abgezogen) ausgesprochen ausführlich für einen passiven Lautsprecher aus. Dabei wird auf alle möglichen Details eingegangen. Neben den bereits erwähnten Hilfestellungen zum Aufbauen der Box findet sich auch der Hinweis, dass sich die Box akklimatisieren muss, um einen bestmöglichen Klang zu gewährleisten. Das ist insbesondere in der derzeitigen kalten Jahreszeit wichtig. Dazu kommen Erläuterungen zum Anschluss, zu den Klangwahlschaltern und deren Wirkung. Außerdem gibt es wertvolle Hinweise zur Aufstellung (sowohl für Stereo als auch für Surround) und der Verwendung der beiliegenden Stopfen um den Bass der NuVero 140 zu reduzieren und somit die Raumeinflüsse zu reduzieren. Für die technisch Interessierten gibt es zudem noch eine ausführliche Abhandlung zu den Konstruktionszielen der Chassis, der Frequenzweiche und des Gehäuses. Zum Abschluss gibt es noch sinnvolle Tipps zu Zubehör, die technischen Daten auf einem Blick, Hinweise zu Bi-Amping/Bi-Wiring und Pflegetipps, in denen auf die Reinigung der einzelnen Bestandteile des Lautsprechers eingegangen wird.

umfangreiche Hinweise zum Aufbau

Technische Details

Doch bevor wir uns unseren Klangtests widmen, möchten wir auf einige technische Raffinessen der NuVero 140 eingehen. Der Lautsprecher hat exakt dieselben Außenabmessungen wie der Vorgänger NuVero 14. Da stellt sich natürlich die Frage, ob hier schlicht ein Facelift vorgenommen wurde. Die Antwort ist nicht ganz einfach, denn es wurden die Tugenden des Vorgängers, wie die grundlegende Gehäuseform mit Klangsegel und die Anordnung der Chassis nicht verändert. Das war es dann aber schon fast bei den Gemeinsamkeiten. Das sieht man auch schon von außen, es wurden komplett neue Mitteltöner verwendet. Im Hochton kommen ebenfalls komplett neu entwickelte Kalotten zum Einsatz. Die Tiettöner sehen zwar noch genauso aus, wurden aber auch grundlegend überarbeitet. Dazu kommt ein geringeres Gewicht. Doch Halt, ein geringes Gewicht ist doch kein Vorteil bei Boxen. Das ist richtig, bei Nubert hat man es aber geschafft, die Innenwände dünner zu gestalten, bei gleich bleibender Stabilität. Somit konnte das Nettovolumen gesteigert werden, bei gleichen Außenmaßen. Das Ergebnis ist auf dem Datenblatt, in Kombination mit den überarbeiteten Chassis, ein 3 Hz tieferer -3 dB Punkt. So erreicht die NuVero 140 eine untere Grenzfrequenz von 25 Hz (NuVero 14: 28 Hz). Das mag auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, der Kenner weiß aber, wie viel Aufwand jedes Hertz auf dem Weg zu den magischen 20 Hz bedeutet. Die grundlegenden 3 ½ Wege Konstruktion beim Topmodell wurde ebenfalls beibehalten. Dabei liegt die Trennfrequenz zwischen Mittel- und Tiefton bei 510 Hz, die zwischen Hoch- und Mittelton bei 2380 Hz.
 

Einer der vier massiven Tieftöner

Die NuVero 140 erreicht eine Nennbelastbarkeit von 440 W und eine Musikbelastbarkeit von 600 W bei einem Wirkungsgrad (1 W bei 1 m) von 85 dB. Dieser ist nicht allzu hoch, wenn man mit Mitwettbewerbern vergleicht. Die Ursache hierfür liegt in der niedrigen unteren Trennfrequenz und der Anzahl der Chassis begründet. Diese sind vier 180 mm Ultralongstroke Tieftöner mit einer Glasfaser-Sandwich-Membran, die mit ein wenig mehr als 30 mm auslenken können, zwei Mitteltöner mit 52 mm Durchmesser und eine Hochton Seidengewebekalotte mit 26 mm Durchmesser. Der Tieftöner wartet mit einer Masse von stattlichen 2700 g auf (womit allein schon 10kg des Gesamtgewichts erklärt sind), der Mitteltöner 350g und der Hochtöner 700 g.

aufgeräumtes Innenleben

Terminal und Klangschalter

Auf dem Terminal auf der Rückseite der Box sind vier Anschlüsse vorhanden. Die vergoldeten Klemmpaare lassen sich einfach drehen und haben einen Acrylglasmantel. So kann man sowohl Bananenstecker, als auch Kabelschuhe oder das pure Kabel nutzen. Damit ist Bi-Wiring und Bi-Amping nach Entfernen der Brücken zwischen den Anschlüssen problemlos möglich.
 
Wer die passiven Modelle der Firma Nubert kennt, dem sind sicher die Klangwahlschalter ein Begriff. Für alle anderen wollen wir die Wirkung noch einmal im Detail erklären. Nicht jeder Raum ist gleich, daher ist nicht immer und auch nicht für jeden Geschmack eine Neutralstellung und ein damit einhergehender linearer Klang der Boxen von Vorteil. Es gibt für drei Klangbereiche entsprechende Schalter: Hochton (Brillant, Neutral, Sanft), Mitten (Prägnant, Neutral) und Bass (Neutral, Reduziert). Laut Hersteller lassen sich so auch stark bedämpfte Hörräume im Hochton brillant beschallen. Der Bassschalter ist hingegen von Vorteil, wenn es zu Dröhnen oder bei basslastiger Musik zu Überhöhungen kommt. In der Bedienungsanleitung wird mit Diagrammen belegt, wie sich der Bassschalter, auch in Kombination mit den beigelegten Stopfen auf den Frequenzgang auswirkt. Eine Absenkung von maximal 9 dB bei 30 Hz ist so möglich. So bietet die NuVero 140 dem Hörer, der auf neutralen Klang im Raum wert legt, sinnvolle Hilfestellungen den linearen Klang zu erreichen. Hierbei wurde ein größerer Wert auf Verringerung der Bassperformance gelegt. Beim Vorgänger hingegen war mit der Einstellung „Voluminös“ eine Möglichkeit vorhanden den Tiefbass anzuheben. Als Grund für die Änderung nennt Nubert den Kundenwunsch einfacher eine dröhnfreie Wiedergabe zu erreichen, die durch eine wandnahe Aufstellung entsteht. Insgesamt sind zwölf Kombinationen möglich, womit für nahezu alle Räumlichkeiten eine sehr gute Klanganpassung möglich sein sollte.
 
Der Mittenschalter hingegen bietet eine interessante Funktionsweise, für die wir aus dem Handbuch der NuVero 140 die entsprechende Passage zitieren wollen:
Die Kanten eines Lautsprechers verursachen mehr oder weniger starke Störungen im Abstrahlverhalten, sogenannte Kantendispersionen. Bei der nuVero-Serie wurden diese Störungen auf mehrfache Weise reduziert: Sowohl die Verrundung von Front und Kanten als auch die asymmetrische Position des Hochtöners reduzieren das Maß der Kantendispersion. Trotz dieser Maßnahmen bleiben kleinere „Reststörungen“ übrig. Der Mitten-Schalter ist eine Art schaltbare Kompensation dieser restlichen Kanteneffekte. Hierbei lässt sich wählen zwischen einer messtechnisch auf Achse linearen Einstellung Prägnant und einer vom messtechnischen „Ideal“ abweichenden, gehörmäßig „neutralen“ Einstellung Neutral. Axial gemessen ergibt sich damit eine schmalbandige Senke um 2,5 kHz, welche jedoch bei seitlichen Winkeln (ab etwa 10°) verschwindet. Aufwändige Hörversuche haben gezeigt, dass diese Senke jedoch eher einer „natürlichen“ Wiedergabe zugute kommt, als wenn sie messtechnisch „glattgebügelt“ wird. Daher wurde diese Stellung als Neutral bezeichnet und empfiehlt sich somit für die meisten klanglichen Anwendungen.

Hochtöner mit kleiner Vertiefung im Detail

Uns hat die Kombination aller Schalter auf neutral mit Ausnahme des Höhenschalters (auf sanft) in der Praxis für die meisten Musikstücke am besten gefallen. Mehr zum Klangcheck schreiben wir weiter unten. Insgesamt ergibt das eine Frequenzweiche, die nicht nur den sauberen und linearen dreieinhalb Wege-Betrieb ermöglicht sondern auch die oben beschriebenen Klanganpassungen. Dazu sind insgesamt über 70 Bauteile nötig. Dabei verfolgt der schwäbische Hersteller die Philosophie, dass sich saubere Ankopplung der einzelnen Wege und ein linearer Frequenzgang nur durch erheblichen Aufwand erreichen lassen. Damit die Ausfallwahrscheinlichkeit dadurch nicht steigt wird auf hochwertige Folienkondensatoren gesetzt, die hohen Qualitätsansprüchen genügen.
 

Mitteltöner im Detail


Doch nicht nur im Bereich der Weiche wird ein hoher Aufwand betrieben. Die NuVero 140 hat im Vergleich zum Vorgänger den bereits erwähnten komplett neu entwickelten Hochtöner auch neue Mitteltöner im Gepäck. Dabei kommen BMR-Treiber zum Einsatz. Der eigentliche Verwendungszweck liegt in der Vollbereichswiedergabe. Bei Nubert beschränkt man die Aufgabe der Chassis auf die Mitteltonwiedergabe, die laut Ansicht der Schwaben vom Flachmembrantreiber am besten gemeistert wird. Die Vorteile liegen dabei nicht nur in der besseren Wiedergabe, sondern sind auch deutlich komplexer. Normalerweise stellt bei Drei-Wege-Lautsprechern die die Verwendung von konischen Chassis ein Problem der Schallwand dar, die nicht mehr eben ist. Es kommt zu Beugungseffekten. Durch die Nutzung der flachen Bauweise entfällt dieser Effekt und eine noch linearere Wiedergabe soll so möglich sein.
 

Tieftöner im Detail


Die Chassis sind in einer Doppel D’Appolito Bauweise angeordnet, was effektiv die Abstrahlung zu Decke und Fußboden im Mittenbereich vermindern soll. Die Abstrahlung in der horizontalen wird dagegen breiter. Dadurch ist unabhängig von den räumlichen Gegebenheiten eine bessere Auflösung des klanglichen Geschehens möglich. Auch das gebogene Klangsegel dient nicht nur optischen Zwecken, sondern soll Kantendispersionen vermeiden. Man sieht hier bereits, dass alle Details bei einer Box der NuVero Serie zusammenspielen und nichts dem Zufall überlassen wird.
 

Da verwundert es nicht, dass auch die Bassreflexrohre überarbeitet wurden. Die NuVero 140 hat davon zwei, die sich beim Vorgängermodell noch beide im unteren Bereich der Lautsprecherrückseite befanden. Nun ist eines der beiden Rohre nach oben gewandert. Damit sollen effektiv Raummoden zwischen Decke und Boden verringert werden, da der Bass gleichmäßiger verteilt wird, was in der Praxis gut funktioniert.

Einsatzmöglichkeiten

Die NuVero 140 ist vielseitig einsetzbar, wenn man die enormen Abmessungen stellen kann und die Statik den 48 kg Lautsprecher aushält. Scherz beiseite, den Statiker muss man glücklicherweise nicht kontaktieren, sondern kann den Lautsprecher enorm variabel einsetzen.

Als klassische Stereolautsprecher. Hier wird die größte NuVero Box wohl am häufigsten anzutreffen sein. Hier kann der Lautsprecher seine Qualitäten voll ausspielen und beeindruckt mit hervorragender Musikwiedergabe, die ihresgleichen sucht. Mit einer unteren Grenzfrequenz von 25 Hz kann man, von tiefsten Orgelkonzerten abgesehen, Musik vollumfänglich genießen. Alles darunter bringt noch den Raum zum Beben, aber ist kaum noch hörbar. Den Raum Beben lässt auch die NuVero 140 schon, wenn es das Musikstück hergibt. Zusätzlich empfiehlt sich eine ausreichend stark dimensionierte Verstärkung, wenn ein größerer Raum (>40 qm) beschallt oder aber sehr laut gehört werden soll.

Als (Front-)Lautsprecher im Heimkino. Auch hier kann mit geeignetem Material gezeigt werden, das auf der Front kleine Satelliten, die maximal bis 80 Hz wiedergeben kein Land sehen. Aber auch abseits des reinen Tiefgangs ist es von Vorteil, die NuVeros im Heimkino zu haben: Denn auch in Filmen profitiert die Plastizität der Wiedergabe stark vom gewählten Lautsprecher. Ob das dem geneigten Filmfan dann den stattlichen Preis des Lautsprechers wert ist, muss er für sich selbst entscheiden. Doch klanglich wird er auf jeden Fall beeindruckt sein.

Das beiliegende Gitter zur Abdeckung der Front


Für die sonstigen Anwendungen die wir vorstellen, etwa „nebenbei hören“ oder als PC-Lautsprecher eignen sich die NuVero 140 natürlich auch, doch wäre es wohl mehr als dekadent, hierfür eine Empfehlung auszusprechen. Wer hingegen keine Unkosten scheut, kann hier für rund 4500€ ein Lautsprecherpaar für jeden Einsatzzweck erhalten. 😉

Klangwahlschalter

Wie bereits in den technischen Details angemerkt, ist es möglich den Klang der nuVero an den individuellen Hörgeschmack anzupassen. Das kann je nach Raum, Musikstück oder individuellen Geschmack Sinn machen. Wir haben für die unterschiedlichen Musikstücke ein wenig experimentiert und diverse Schalterstellungen verwendet, die unserem persönlichen Geschmack am nächsten kamen. Welche das im Detail sind, steht beim jeweiligen Stück.

Klang

Der Klang der Schallwandler aus dem Hause Nubert ist neutral. Das trifft nicht jeden Geschmack, der Ansatz verspricht aber Reproduktion von Musik, wie vom Toningenieur und Künstler vorgesehen. Prinzipiell bedingt werden hier minderwertige Aufnahmen, oder solche mit klaren Verfärbungen, schnell entlarvt. Das Ergebnis ist im Bestfall eine Wiedergabe, wie bei einem Live-Event. Bedingt durch die beeindruckende untere Grenzfrequenz mussten wir eine Raummode bei 41 Hz korrigieren, was aber dank einer NuControl, ebenfalls aus dem Hause Nubert, kein Problem darstellte (Die Vorstufe haben wir ebenfalls schon ausführlich getestet, das Review findet sich hier). Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, Details dazu finden sich in den folgenden Abschnitten.

Nebenbeihören

Hier kann die NuVero 140 natürlich überzeugen, gerade auch bei leisen Lautstärken gibt es hier eine ungeahnte Detailfülle. Mit der Höhenschalterstellung auf sanft gibt es hier auch nie die Tendenz ein anstrengendes Klangbild zu haben. Denn gerade bei Popsongs können die Höhen in neutraler Stellung nach einiger Zeit nerven. Hier zeigt sich schonungslos die Trennschärfe des Lautsprechers. Durch die Schalter lässt sich aber ein sehr angenehmes Klangbild erzeugen.

konzentriertes Hören

Für das konzentrierte Hören nutzen wir ein gleichseitiges Stereodreieck mit Basisbreite von 2,75m. Dabei ist auch abseits der Spitze dieses Dreiecks ein angenehmer Sweetspot, der sehr breit ausfällt. Ein Zurücklehnen beim Musikhören wird also nicht sofort mit einer deutlich schlechteren Wiedergabe abgestraft. Hier zeigen sich die Vorteile der aufwendigen Konstruktion, die für ein breite Abstrahlung sorgen.

Die Basssektion der NuVero 140



Eagles: Hotel California

Beim Eagles Klassiker hört man gleich zu Beginn eine Gitarre, die in allen Details von der NuVero 140 realitätsgetreu wiedergegeben wird. Dabei löst sich die Musik beeindruckend von den Lautsprechern und schwebt vorm Hörer im Raum. Der Kickbass zu Beginn wird mit hoher Geschwindigkeit und Präzision wiedergegeben. Als dann die Stimme von Don Henley einsetzt, sorgt diese sofort für Gänsehaut. Beim zeitlosen Sound kann die NuVero 140 ihre Stärken ausspielen. Die Schalter haben wir bei der Wiedergabe komplett auf neutral gestellt.
Vivaldi: Die Vier Jahrezeiten, Il Giardino Armonico
Was die Dynamik und die Impulstreue der Musik angeht, kann die NuVero 140 zu 100% überzeugen und zeigt, dass insbesondere Klassik wie gemacht für diesen Lautsprecher ist. Jedes Zupfen und jedes Streichen der einzelnen Instrumente wird fast greifbar und weiß durchaus zu überzeugen. Hier sind vor allem die Detailtreue, die Ortung der Bühne und die Trennschärfe zwischen den einzelnen Instrumenten referenzverdächtig. Dabei klingen die Geigen wie im echten Konzertraum, was durchaus zu loben ist, aber durchaus ungewohnt im eigenen Wohnzimmer. Allerdings hat das meinen persönlichen Geschmack nicht getroffen, da mir das ein wenig zu anstrengend war. Mit der Schalterstellung der Höhen auf Sanft wurde die Wiedergabe deutlich weicher, was meinem persönlichen Empfinden eher entgegen kam. Hier zeigt sich wieder, dass die Möglichkeiten zur Klangwahl durchaus ihre Berechtigung haben.
Kommen wir nun zu spaßigeren Titeln, die nicht den letzten Anspruch auf Audiophilie haben.
Marilyn Manson: Killing Strangers
Der Track, der dem Filmliebhaber aus dem Soundtrack von John Wick bekannt sein sollte, fordert insbesondere in den ersten Sekunden viel von den Tiefbassfähigkeiten der NuVero 140, die diesen Teil mehr als souverän meistert. Der Bass wird dabei eindrucksvoll und impulstreu wiedergegeben. Der Song macht auf der NuVero sehr viel Spaß und überzeugt. Da die Höhen des Stückes, wie für Manson typisch, angehoben sind, wurden die Höhenschalter auf „Sanft“ gestellt.

Trentemøller: Vamp
Wer nach Bass auf höchstem Niveau bis zu absoluten Abrisspegeln sucht, wird hier fündig. Die NuVero 140 überzeugt hier mit einer unglaublichen Pegelfestigkeit, die den Tester und auch die NuPower D an die Grenzen der Belastungsfähigkeit treibt. Aber die NuVero 140 bleibt standhaft und gibt wieder, was die Quelle hergibt. Wer also elektronische Musik zuspielt, muss sich nicht scheuen, die Lautsprecher mit Partylautstärke zu strapazieren. Solange die Nachbarn und die restliche Elektronik mitspielen zumindest. Hier war es kein Problem, alle Schalter mit der Einstellung „neutral“ zu betreiben.

Emily Browning: Sweet Dreams
Das Stück stammt vom Soundtrack des Films Sucker Punch und bietet eine beeindruckende Stimmwiedergabe: Die Stimme steht bei diesem Stück wie in der Mitte gemeißelt, was der Lautsprecher auch so wiedergibt. Die Räumlichkeit und Detailtreue sind sehr gut. Bis zu mittleren Lautstärken ist hier bei der Höhenstellung neutral alles in Ordnung, wenn man aber weiter aufdreht, dann vernimmt man leicht zischelnde s-laute, sodass uns „sanft“ besser gefällt, aber selbst hier ist es dem geschulten Ohr noch möglich, die leichte Höhenlastigkeit des Stücks herauszuhören.

Beginner: Ahnma
Ein Hiphoptrack, sicher nicht das Standardrepertoire für die NuVero und sicher auch kein Stück mit referenzmäßiger Abmischung, für das Genre aber durchaus akzeptabel in der Qualität. Zudem eine der erfolgreichsten Singleauskopplungen 2016.
Doch kann der Lautsprecher auch hier überzeugen? Auf jeden Fall, der massive Bass zu Beginn wird tadellos herausgestellt, die einsetzenden Stimmen werden wie selbstverständlich vor die Beats im Hintergrund gesetzt. Die Stimmgewalt der einzelnen Features schwebt im Raum, mehr kann man wohl aus dem Song nicht herausholen. Auch hier sind Vorteile in der Wiedergabe im Vergleich zu einem Standardlautsprechersystem klar auszumachen, selbst wenn man das zu anfangs nicht erwartet hätte. Auch hier steht der Höhenschalter auf „neutral“.

Beiliegende Stopfen um den Bass anzupassen



Weezer: Island in the Sun – Live from Spotify NYC

Apropos Erwartung niedriger Wiedergabequalität: Viele verbinden mit Streamingdienstleistern minderwertige Qualität, dass das nicht stimmen muss zeigt der Onlinestreamer Spotify. Dort gibt es wahre Perlen und das vor allem unter den Stücken die eigens für Spotify aufgenommen wurden. Diese „Spotify Sessions“ bieten regelmäßig sehr interessante Interpretationen der Künstler ihrer eigenen Werke.
Das Stück Island in the Sun sollte wohl den meisten Lesern, die von Weezer schon mal gehört haben, ein Begriff sein, die Interpretation kann im Vergleich zur Albumversion auf deutlich mehr handgemachte Instrumentenmusik setzen, was die NuVero dankend annimmt und diese detailliert und ausgesprochen dynamisch wiedergibt, ohne dabei die Stimme des Sängers und die der Backgroundsänger untergehen zu lassen, denn gerade die „Livehaftigkeit“ der Stimme wird ausgesprochen gut wiedergegeben und man fühlt sich in die Konzertumgebung versetzt. Dazu runden saubere Mitten und knackige Kickbässe das ganze ab. Genau diese Spielfreude gibt die NuVero 140 tadellos wieder. Auch hier kam der Höhenschalter auf Sanft zum Einsatz.
 
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die NuVero 140 mit unterschiedlichsten Musikgenres zurechtkommt und damit ein echter Allrounder ist. Wenn ein Musikstück in seiner Abstimmung nicht gefällt, ist es durch die Klangwahlschalter in gewissem Maße möglich, den Lautsprecher an den persönlichen Geschmack anzupassen. Diese Variablilität ist gerade für einen passiven Lautsprecher bemerkenswert und positiv hervorzuheben. Ansonsten gibt es nur zu sagen: Wer alle Details eines Musikstückes hören möchte, sollte dringend einmal seine Msuik auf einer NuVero 140 anhören.

Heimkino

Wer keine Kosten oder Mühen scheut, der bekommt mit der NuVero 140 auch einen ausgezeichneten Lautsprecher für die Front (oder wenn es etwas mehr sein soll, auch die Rearposition) im Heimkino. Hier kann das breite Abstrahlverhalten seine Vorteile voll ausspielen: Ein NuVero Setup ermöglicht eine sehr hohe Homogenität in der Front und auch ohne zusätzlichen Center eine sehr gute Sprachverständlichkeit und Ortung von Effekten.
Mit der Blu-ray „Rammstein in Amerika“ (zum Review) hat die deutsche Hardrockband gerade für die Frontlautsprecher ein herausforderndes Werk in petto. Die NuVero meistert die E-Gitarren Klänge und Kickbassattacken souverän und ohne mit der Wimper zu zucken auf höchsten Niveau. Ohne Fehl und Tadel passen Ortung auf dem Bild mit der Ortung des Tons zusammen. Der Livecharakter wird erstklassig eingefangen und echtes Mittendringefühl kommt auf.

Auch bei Filmen, deren Wiedergabe von großen Frontlautsprechern profitiert, wie Jupiter Ascending (zum Review) kann die NuVero 140 brillieren. Neben der Wiedergabe von tiefen Tönen profitieren Filme wie bereits erwähnt in erster Linie von der breiten Abstrahlcharakteristik, die ihresgleichen sucht.

Unser Testsystem

Testsystem

Als Testsystem kommt das zum Einsatz, was man getrost als “Nubert-Kette” bezeichnen könnte, zumindest im Stereoeinsatz: NuControl in Kombination mit der leistungsfähigen Endstufe NuPower D. Dabei wurde auf XLR-Verkabelung gesetzt. Damit ist es nicht nur möglich die die Boxen adäquat anzutreiben, sondern lautstärkemäßig möglich den Tester an seine Grenzen zu bringen. Mittels des NuControl wurde eine Raummode bei 41 Hz korrigiert, ansonsten wurde ohne weitere Einstellungen (abseits der genannten Schalterstellungen) gehört. Der große Vorteil der Kombination mit der NuControl ist es, dass das ATM einfach als Option im Menü wählbar ist. Diese Klangwaage ermöglicht noch einmal eine deutliche kontrolliertere Anpassung des Klanges, um einzelne Musikstück an die Tageszeit oder das eigene Klangempfinden anzupassen. Bei dem Einsatz einer NuControl auch bequem via Fernbedienung. Für die Nutzung im Heimkino wurden die Cincheingänge der NuPower D genutzt, die von den Preouts eines Yamaha RX-A2010 befeuert wurden. So war eine einfache Integration in das bestehende Heimkinosetup der Redaktion möglich.

Fazit

Die Nubert NuVero 140 kann mit ihrer Musikalität und vor allem ihren Anpassungsmöglichkeiten überzeugen. Gerade die Instrumentenwiedergabe erreicht eine nie gekannte Detailtreue. Wer eine geeignete Verstärkung hat, kann sich und sein Gehör an seine Grenzen bringen, denn Pegelfestigkeit ist der zweite Vorname des Lautsprechers. Die stimmige Optik mit Ton- in Tonfarbgebung unterstreicht die elegante Erscheinung, da vergeben wir sogar die Anfälligkeit für Fingerabdrücke. Wer bereit ist rund 4500€ in ein Lautsprecherpaar zu investieren erhält hervorragende Technik in gefälligem Gewand mit gutem Klang und ansprechenden Anpassungsmöglichkeiten.

Vorteile:

  • Ausführliches und sehr hilfreiches Handbuch
  • Instrumentenwiedergabe auf Referenzniveau
  • Tiefbassfähigkeiten
  • Anpassungsmöglichkeiten des Klangs
  • hochwertige Verarbeitung
  • Impulstreue

Nachteile:

  • Schwer und nur mit zwei Personen aufstellbar
  • Fingerabdruckanfälligkeit

Für alle, die von der Technik nicht genug bekommen, haben wir hier einen kurzen Auszug aus den Fragen, mit denen wir Herrn Rüdiger Steidle (verantwortlich für Presseanfragen bei Nubert) und Herrn Thomas Bien (verantwortlicher Entwicklungsingenieur) gelöchert haben:
Wie aufwendig ist die Frequenzweiche im Vergleich zum Vorgänger der NuVero 14? Wir haben recherchiert und festgestellt, dass der Vorgänger 79 und die aktuelle NuVero 140 70 Teile bietet, wo ist der Unterschied?
Nur die erste Entwicklungsstufe der nuVero 14 hatte 79 Weichenbauteile. Die letzte E-Stufe der nuVero 14 hatte ebenso viele (oder wenige?) Bauteile wie die jetzige nuVero 140 hat. Der Weichenaufwand ist also gleich geblieben. Lediglich die Dimensionierung der Bauteile hat sich geändert.
Warum wurde der Bassschalter von „neutral und voluminös“ zu „neutral und reduziert“ geändert?
Trotz ausgeklügelter konstruktiver Maßnahmen, eine impulspräzise und in jeglicher Hinsicht dröhnfreie Wiedergabe bis hin zu tiefsten hörbaren Frequenzen zu erzielen, kommt es infolge wandnaher Aufstellung in vielen Fällen vor, dass die Basswiedergabe der nuVero 140 ebenso wie der nuVero 14 trotz (oder gerade wegen) der außergewöhnlichen Linearität im Bassfrequenzgang als zu stark empfunden wird. Unsere langjährigen Erfahrungen mit dem Vormodell nuVero 14 haben gezeigt, dass sich daher mehr Hörer eher eine Reduzierung der Basswiedergabe wünschen als ein noch voluminöseres Klangbild. Daher wurde beim Nachfolgemodell großes Augenmerk auf eine feinstufige Reduzierung des Tiefstbasses gelegt. So lässt sich mit dem Bass-Reduzierungs-Schalter in Kombination mit dem Verschließen eines oder beider BR-Rohre die Basswiedergabe in insgesamt sechs Variationen reduzieren.

Wo befinden sich die Trennfrequenzen der einzelnen Wege?
Trennfrequenzen: Tiefton-Mittelton: 510 Hz. Mittelton-Hochton: 2380 Hz.
Die NuVero 14 galt lange Zeit als der beste Lautsprecher, den man mit einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis im Hause Nubert fertigen kann. Wie viel sehen Sie als Entwickler die „Neue“ vor der „Alten“?
Die „Neue“ liegt in sehr vielen Punkten vor der „Alten“: Vor allem im für den Stimmbereich wichtigen Mitteltonbereich wurden hörbare Verbesserungen erzielt: Aufgrund der kleineren Membranen ist das Rundstrahlverhalten nochmals breiter, die empfundene räumliche Tiefe ist dadurch scheinbar größer geworden. Aufgrund der nun flachen Bauform der Mitteltonmembrane hat der Hochtöner ein ebeneres Umfeld, was sich (mess- und hörbar) positiv auf die Abstrahlung des Hochtons auswirkt. Zusammen mit dem konstanteren Abstrahlverhalten des Hochtöners selbst klingt Hochtonbereich nochmals eine Spur „seidiger“. Der typische „Kalottenklang“ ist gänzlich verschwunden. Die Hochtonwiedergabe erinnert nun stark an jene sehr teurer Bändchenkonstruktionen. Auch im Bass wurden deutliche Fortschritte erzielt. Durch eine veränderte Innenkonstruktion des Lautsprechergehäuses in Verbindung mit weiter optimierten Thiele-Small-Parametern der Tieftöner konnte die untere Grenzfrequenz trotz gleich gebliebenem Gehäusevolumen nochmals deutlich zu tieferen Frequenzen hin erweitert werden.
Die NuVero 140 bietet für eine passive Box eine nahezu sagenhafte Gruppenlaufzeit. Dürfen Sie uns Details verraten, wie Sie das erreicht haben?

Die Gruppenlaufzeit ist eine akustische Größe, welche von der Frequenz abhängig ist. Große Gruppenlaufzeiten entstehen somit vorwiegend bei tiefen Frequenzen. Aufgrund der Tatsache, dass bis 500 Hz hinauf keine wirkliche Trennung von Chassiszweigen erfolgt, gibt es bis zu dieser Frequenz nahezu keine Gruppenlaufzeiten. Aus diesem Grund können größere und damit hörbare Gruppenlaufzeiten schon aufgrund des Konstruktionsprinzips her nicht entstehen.
Die neuen Farben gefallen in der Redaktion deutlich besser als die alten, was war der Grund für den neuen Anstrich?
Als die erste nuVero-Generation erschienen ist, lagen „Off-White“ und „Off-Black“ voll im Trend, also leicht „verfärbte“ Varianten von Weiß und Schwarz. Statt reinem Schwarz bevorzugten viele Kunden Anthrazit, also ein Schwarz mit leichtem Grau-Metallic-Einschlag, statt Reinweiß waren Creme- oder Perlmuttweiß angesagt. In den acht Jahren seit der Einführung der nuVero-Serie hat sich dieser Trend aber wieder umgekehrt und inzwischen setzen die meisten Kunden wieder auf reines Schwarz und reines Weiß, weshalb wir die Einführung der neuen nuVero-Serie auch gleich für eine Überarbeitung der Farbpalette genutzt haben, um dem geänderten Kaufverhalten Rechnung zu tragen. Was den neuen Braunton anbelangt – damals Mocca, heute Goldbraun – der wirkt unserer Meinung nach einfach etwas frischer.
Der Hochtöner sitzt in einer separaten Vertiefung, was ist der Beweggrund dafür?
Der Hochtöner sitzt nicht in einer separaten Vertiefung. Er ist oberflächenbündig in die Schallwand eingeschraubt. Lediglich die Hochtöner-Frontplatte ist mit einer sehr dezent konkaven Wölbung versehen. Diese Art der Schallführung erlaubt eine breitere Abstrahlung des Superhochtonbereiches bis ca. 45° seitlich als bei einer komplett eben ausgeformten Front.
Im Hörtest ist uns aufgefallen, dass uns die Höhen bei mehreren Musikstücken auf „sanft“ deutlich mehr zusagten, während die NuVero 14 sich hier auf „neutral“ unauffälliger verhielt. Können Sie uns helfen die Ursache zu verstehen?
Dies liegt ebenfalls an der breiteren Hochtonabstrahlung gegenüber dem vorigen Hochtönermodell. Obwohl sich axial der gleiche Schallpegel messen lässt wie beim Vorgänger, wird insgesamt mehr Schalleistung in den Raum abgegeben, was sich in einer scheinbar „helleren“ Wiedergabe äußert.
Im Test haben wir es mit der NuPower D aus Ihrem Hause geschafft, die Endstufe an den Rand der Belastung zu bekommen, während die NuVero 140 das Ganze entspannt mitgemacht hat. Wird die Belastbarkeit der NuVero 140 sehr konservativ angegeben?
Ja. Es liegt in unserem eigenen Interesse, mit Belastungsangaben bei unseren Lautsprechern eher zu untertreiben als zu übertreiben. Unsere offiziellen Belastungsangaben sind daher in der Praxis fast immer nach oben korrigierbar. Belastungsangaben beziehen sich jedoch immer nur auf die elektrische Maximalbelastung. Sie sagen jedoch nichts über die mechanische Maximalbelastung oder gar den Maximalschallpegel einer Box aus. Eine nuVero 140 stößt im Bass schneller an ihre mechanischen Grenzen gegenüber der nuVero 14, da sie tiefere Frequenzen wiedergibt, was bei gleicher Lautstärke größere mechanische Auslenkungen erfordert.
So beeindruckend die NuVero 140 ist, die „magischen“ 20 Hz knackt sie noch nicht. Kann man sich im Hause Nubert eine Standbox vorstellen, die den kompletten Hörbereich (20Hz – 20000 Hz) abdeckt vorstellen? Oder gibt es gar schon konkrete Planungen?
Nach neueren Untersuchungen, welche in den 90er Jahren durchgeführt wurden, fängt der Bereich, ab welchem Schallereignisse wahrgenommen werden können, eher in der Gegend um 30 Hz an, keinesfalls jedoch bei 20 Hz. Auch eigene, hausinterne Experimente bestätigten dies. Die „magische“ 20-Hertz-Grenze ist aus technischer Sicht aber natürlich trotzdem eine Herausforderung, die wir bei zukünftigen Lautsprechermodellen vielleicht meistern werden. Den hörbaren Schallbereich deckt aber auch die nuVero 140 schon vollumfänglich ab. Tatsächlich ist es schwierig, Aufnahmen zu finden, die das gesamte Wiedergabespektrum der Box voll ausreizen.

Bezug: Nubert

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