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Kinokritik: The Hateful Eight

The Hateful Eight

Einleitung

 

Der neuste Film von Tarantino heißt „The Hateful Eight“ (auch The Hateful 8) und ist der achte Film des Kultregiseeurs. Diesmal ist das Setting das verschneite Wyoming nach dem Sezessionskrieg.

Die Charaktere sind teils gegensätzlich motiviert und haben diverse Vorurteile gegeneinander.

Ich habe das Kino Zoo Palast in Berlin besucht um dort die Kinofassung zu sehen, die Quentin Tarantino sich den Film gewünscht hat: im UltraPanavision 70 Format, einem ultrabreiten Filmformat mit dem Seitenverhältnis 2,75:1 (~25:9), das seit über 50 Jahren nicht mehr eingesetzt wurde. Die Laufzeit ist länger, wobei die Unterschiede in erster Linie in einer Ouvertüre und einer festen Pause liegen. Das Intro zeigt ein festes Bild mit Musik unterlegt und erzeugt schon die grundlegende Stimmung für den Film. Die 12-minütige Pause zeigt ein durchgängiges schwarzes Bild, das auf der Filmrolle vorhanden ist. Daher resultieren die Laufzeitunterschiede kaum in einem echt längerem Film. Lediglich einige Einstellungen wurden ausgedehnt. Die Fassung wird auch „Roadshow“ genannt, da dies ein stehender Begriff im US-Kino ist. Merkmale sind: Nur ausgewählte Kinos in großen Städten haben exklusiv früher den Zugang zum Film und es gibt eine Pause zwischen den Akten des Films um den meist überlangen Film aufteilen zu können.

Handlung

 

In einer verschneiten Wintergegend treffen verschiedene Charaktere zusammen, die notgedrungen alle in einer Unterkunft vor einem Schneesturm Zuflucht nehmen. Dabei ist der Kopfgeldjäger John Ruth mit seiner Gefangenen Daisy Domergue unterwegs als er einen weiteren Kopfgeldjäger trifft, den er nach langem Zögern mitnimmt und wenig später auch den neuen Sheriff eines nahen Ortes. Zusammen kommen sie in „Minnies Miederwarenladen“ unter. Dort treffen sie auf vier weitere Reisende mit unterschiedlichem Hintergrund. Keiner vertraut dem anderen und die Situation spitzt sich schnell zu, nachdem die ersten der Anwesenden durch Gift sterben.

Bild

 

Das Bild ist typisch analog: so gibt es teilweise kurz aufblitzende Fehler auf dem Master und eine grobe Körnigkeit im gesamten Bild. Gleichzeitig beeindruckt die Schärfe und der Detailgrad, die auf absolutem Referenzniveau liegen. Ebenso sind der Kontrast und der Schwarzwert erstklassig. Alle Details sind jederzeit auch in dunklen Szenen gut erkennbar. Die Plastizität hat noch deutlich Luft nach oben.
Ansonsten ist der Stil klar analog und jederzeit als solcher erkennbar. Viele Einstellungen sind sehr lang auf einen Punkt fixiert und geben den Film eine teilweise sehr gemächliche Geschwindigkeit.

Ton

 

Der dialoglastige Film bildet die Gespräche auf absolutem Referenzniveau ab und in der deutschen Synchronisation werden auch kleine Details mit beeindruckender Intensität umgesetzt, wenn sich eine Figur zur Seite dreht oder durch das Bild läuft, dann sind die Soundeffekte entsprechend perfekt angepasst. Die sonstigen Surroundeffekte bewegen sich auf Durchschnittsniveau und kommen nur sparsam zum Einsatz. Bemerkenswert ist der auf alle Kanäle abgemischte Soundtrack von Kultkomponisten Ennio Morricone, der unter anderem für den Western „Spiel mir das Lied vom Tod“ legendär wurde. Die Musik ist eines der tragenden Elemente, um die Stimmung zum Zuschauer zu transportieren, was hier hervorragend funktioniert.

Kino

 

Wie bereits oben erwähnt, habe ich das Kino „Zoo Palast“ im Berliner Zentrum besucht, in der im Kinosaal 1 eine 155 KW Soundanlage und eine extrembreite maskierte Curved-Leinwand vorhanden sind. Die Soundqualität ist extrem gut und die beste Dolby Atmos Präsentation, die ich bisher gesehen habe.

Der Stil des Kinos ist sehr klassisch und damit auch sehr gefällig, der Kinosaal hat neben einem Vorhang, der sich erst zu Filmbeginn öffnet eine erhöhte Loge an den Seiten, wie aus klassischen Theatern bekannt. Der langgestreckte Raum bietet auch außerhalb der absoluten Mitte des Raumes vergleichsweise gute Akustik und guten Blick auf die Leinwand, was wohl der ausgeklügelten Lautsprechertechnologie geschuldet ist.
Die Lautstärke war weder zu laut noch zu leise, auch der LFE-Kanal war (im Gegensatz zu fast allen anderen mir bekannten Kinos) korrekt eingepegelt und hat entsprechend souverän agiert ohne sich in den Vordergrund zu spielen oder zurückzufallen.

Vor dem eigentlichen Filmbeginn wurde eine eigene Atmospräsentation vorgeführt, die mit scheinbar von der Decke fallendem Wasser optisch beeindruckt und Regen im ganzen Raum eine perfekte Immersion geschaffen hat. Danach wurden einige Filmliebhabern bekannte Zitate und Soundtrackausschnitte zusammen abgespielt. Hier beginnt die Magie eines nahezu perfekten Dolby Atmos Kinos: Die Effekte laufen nicht ineinander über und verschwimmen zu einem Klangbrei, sondern sind seperat in den unterschiedlichen Bereichen des Kinos hör- und ortbar. Das zusammen mit dem Effekt des Wiedererkennens machen das AHA-Erlebnis so prägend. Eine sehr interessante Anwendung für das Soundsystem. Hier bemerkt auch deutlich die Vorteile der größten Atmos-Anlage in Deutschland mit 40 Kanälen. Die geschaffene Atmosphäre wird so greifbar.

Meines Wissen nach ist Hateful Eight leider nicht in Atmos abgemischt, sodass hier wahrscheinlich ein Upmixer zum Einsatz kam, der leider so nur bei wenigen Effekten im Film Töne von oben erzeugt hat. Aber die Möglichkeiten vor Ort machen eindeutig Lust auf mehr und ich werde sicher dort einen nativen Atmos-Film mir ansehen. Das Ganze bezieht sich natürlich auf Kinosaal 1.

Das Kino ist das Beste was ich bisher erlebt habe und meilenweit über der Liga von Cinestar, UCI und co.
Wer in der Nähe von Berlin wohnt oder dort zu Besucht ist, dem lege ich den Gang in das Kino und auch in Hateful Eight nahe.

Fazit

 

Trotz seiner langsamen Gangart ist der Film zu jeder Zeit spannend und wie immer bei einem Tarantino-Film, wissen sowohl die Dialoge als auch die einzigartigen Bilder zu gefallen. Die erste Hälfte des Films lässt sich viel Zeit einen Spannungsbogen aufzubauen, der sich dann im zweiten Teil aber umso schneller und intensiver entlädt. Die Geschichte ist dabei erfrischend unkorrekt und nimmt kein Blatt vor dem Mund. Das gewürzt mit dem typischen Tarantinosplatter macht für mich Hateful Eight zu einem der besten Filme der letzten Jahre, was aber auch an der Spitzenperformance des Berliner Kinos liegt.






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